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Qualit├Ąt und Kompetenz

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Journal

"Bauwesen und Projektierung"

05/46/2016

Sankt Petersburg

 

Interview

 

HOLGER KRAFT: GEMEINSAME NORMEN SIND NOTWENDIG

Über seine Erfahrungen mit der Organisation von Aleksandr Ort, auch über die nicht einfache Situation, die zwischen den Geschäftskreisen von Russland und dem Westen besteht, berichtet der Präsidenten der Deutschen Gesellschaft zur Förderung von internationaler Qualität und Kompetenz - DGQK e.V., Holger Kraft

 

- Seit wann kooperieren Sie mit der GmbH "Nichtstattliche Aufsicht und Expertise"?

Mit dem Generaldirektor der GmbH "Nichtstattliche Aufsicht und Expertise", Herrn Aleksander Iwanowitsch Ort, verbindet uns bereits eine jahrzehntelange Kooperation in den Bereichen der Qualitätskontrolle im Bauwesen bei deutsch-russischen Investitionsprojekten und der gemeinsamen Fortbildung russischer Spezialisten im Bauwesen unter Teilnahme deutscher und russischer Dozenten.

Aktuell gibt es einen regen Erfahrungsaustausch zur Realisierung von Investitionsprojekten im Wohnungsbau in Sankt Petersburg in rechtlichen und baurechtlichen Fragen unter Teilnahme deutscher Investoren. 

Zwischen der DGQK e.V. und der GmbH "NAE" wurde  am  14. Februar 2014 eine komplexe Vereinbarung zur Zusammenarbeit in verschiedenen Richtungen abgeschlossen.

Ich kann sagen, dass die Kooperation mit der GmbH "NAE" eine der erfolgreichsten und interessantesten zwischen kompetenten deutschen und russischen Spezialisten ist.

Gemeinsame aktive Teilnahmen am jährlichen "Internationalen Sachverständigenforen" der DGQK e.V. in der Industrie- und Handelskammer von Sankt Petersburg und zum "Welttag der Qualität" in der Sankt Petersburger Universität für Architektur und Bauwesen sind eine gute Tradition der Partnerschaft zwischen unseren Organisationen.

-Wie gestalten sich die Maßnahmen zur Einführung des Systems der Fortbildung von Sachverständigen der Bauaufsicht in Sankt Petersburg?

Kompetenz und Qualität im russischen Bauwesen ist oft ein Problem.

Bei vielen gibt es das Verständnis dafür, dass es erforderlich ist einiges zu verändern.

Leider gibt es aber dazu oft nicht den Wunsch oder es fehlt das Verständnis, wie denn der Mechanismus dafür auszugestalten ist.

In meinen Vorträgen zum "Welttag der Qualität" habe ich ganz offen und kritisch bereits mehrere Male ganz konkret benannt, welche Maßnahmen aus den Erfahrungen der Sowjetunion und Deutschlands, mit seinem System der Förderung von Qualität und Kompetenz ergriffen werden müssen.

Natürlich ist es selbstverständlich die moderne Realität dabei zu berücksichtigen.

Mit Beitritt Russlands zur ISO und WTO wurde die Frage der Annahme internationaler Normen auf beliebigem Gebiet der Qualität und Kompetenz, einschließlich des Bauwesens, aktuell.

Dabei regelt die ISO-Norm 17024 die Verfahrensweise der Bewertung der Kompetenz in allen Anwendungsbereichen.

Leider sieht die Sache mit der Einführung internationaler Normen bis zum heutigen Tage in Russland nicht ganz so gut aus. 

Oft wird hier die Meinung vertreten, dass die nationalen Normen nicht schlechter sind.

Es kann sein, dass das so unrichtig nicht ist, allerdings ist zu berücksichtigen, dass Russland der WTO beigetreten ist, Mitglied der ISO ist, und dass die damit verbundenen Normen gleichberechtigt mit den nationalen Normen angenommen werden müssen, ja insbesondere bei internationalem Auftreten müssen diese sogar Priorität genießen.

Ein weiterer Grund der bestehenden Probleme ist, nach meiner Auffassung, das Fehlen der Motivation zur internen Kontrolle auf dem Gebiet der Qualität und Kompetenz gemäß der ISO-Normen seitens des Staates.

So wird zum Beispiel bei Ausschreibungen zur Erlangung staatlicher Aufträge in den Bedingungen zur Teilnahme an der Ausschreibung  die Einbeziehung von Spezialisten mit nachgewiesener Kompetenz nicht berücksichtigt.

In den Gerichten muss bei Hinzuziehung von Spezialisten als Sachverständige für die Gerichtsprozesse  die Auswahl nach der nachgewiesenen Kompetenz erfolgen.

-Ist die Tätigkeit  Ihrer Organisation in Russland zeitgemäß unter Berücksichtigung der nicht einfachen politisch-wirtschaftlichen Situation zwischen Russland und der Europäischen Union? 

Die DGQK e.V. und Ihre internationalen Partner, wie die GFS e.V. und EuroKompZert, haben in ihren Satzungen deklariert, dass sie sich als Organisationen politisch neutral verhalten.

Selbstverständlich haben unsere Vorstände, Manager und Mitglieder auch, so wie ich, eine persönliche Meinung, welche immer russlandfreundlich war und bleiben soll.

Bedauerlicherweise gibt es im Westen heute Politiker die nicht zu einem maßvollem, friedlichen und vorteilhaften Miteinander bereit sind und sich völlig vom Volk und vom Dialog mit den Partnern auf der internationalen Bühne entfremdet haben.

Herr  Dr. Stefan Meister, Leiter des Programms für Russland, Osteuropa und Zentralasien am Robert Bosch-Zentrum für Mittel- und Osteuropa der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik - DGAP, veröffentlicht in IP Juli/August 2016 den Artikel "Bedingt lernfähig", in welchem er kritisch die Handlungen des Westens gegen Russland analysiert und abschließend ausführt:

"Halbherzige oder widersprüchliche Politik (Anmerkung: des Westens) wird auch als solche erkannt und provoziert Reaktionen der russischen Führung. Das scheint im Moment der entscheidende Unterschied zwischen dem Kreml und vielen westlichen Regierungen zu sein: Putin ist lern- und anpassungsfähig, unsere Politiker sind es eher nicht."

Abschließend möchte ich darauf verweisen, dass die DGQK e.V. und Ihre Partner und Freunde weiterhin ein stabiler und verlässlicher Garant für deutsch-russische Kooperation im Sachverständigenwesen in guten und in schlechten Zeiten bleiben!




Datum: 06-09-2016